Humor in finnischen Krankenhäusern

Humor in finnischen Krankenhäusern. Klingt erstmal trocken, ist es glaube ich aber nicht. Zumindest was ich bis jetzt aufgrund von sprachlichen Barrieren mitbekommen habe.

Ich laufe durch die Mensa unseres Krankenhauses und sehe zufällig zwei Klinikclowns sitzen. Bevor ich mehr zu den Beiden erzähle, möchte ich ein, zwei Sätze zum Mensaessen verlieren, weil ich das interessant finde.

Essen gehen in Finnland ist teuer, bis auf das Studentenessen. 2,60Euro kostet ein Studentenessen, welches eine warme Mahlzeit, ein Glas Wasser, ein Glas Milch, Brot mit Butter und so viel Salat wie man möchte, ist. Studierende rechnen hier manchmal in „Studentenessen“. Wenn sie sich ein Bier in einer Bar kaufen rechnen sie amüsanterweise nach wie lange sie davon satt werden könnten. Hier beginnt Prävention beim Essen. Daher wird das Essen für Studierende hier subventioniert, wie bei uns auch nur gerade das gesunde Essen wird sehr günstig angeboten.

20170412_120004.jpgAber jetzt zurück zu den Klinikclowns, denn ich möchte ein bisschen über das Thema Humor in finnischen Krankenhäusern sprechen. In Finnland gibt es ca. 55 Clowns, davon leben und arbeiten 7 Clowns in Turku. Das klingt erstmal wenig, wenn man aber bedenkt, dass Finnland nur 5 Millionen Einwohner und nur 5 Universitätsklinika hat, relativiert sich das Ganze schon wieder. Die Clowns kommen zwei Tage die Woche in die Klinik und gehen hier meistens auf die Kinderstation.

Gerade kamen sie von einem kleinen Jungen, dem ein Zugang gelegt werden sollte. Dieser war davon gar nicht begeistert und hat dies laut dem Arzt gegenüber kundgetan. Daraufhin hat der Arzt sich Unterstützung geschnappt und kam mit den zwei Clowns im Schlepptau wieder. Ein kleiner Witz hier und ein kleiner Trick da und schon ließ der Junge sich beruhigen.

Die beiden Klinikclowns erzählten, dass sie in diesen alltäglichen Situationen nicht nur einen positiven Effekt auf die jungen Patienten, sondern auch auf das Personal haben. Empathie ist für die Klinikclowns sehr wichtig, da es oft ein schmaler Grad ist, wie weit man mit welchem Patienten in welcher Situation gehen kann. Gerade diese Empathie hilft Ihnen aber auch im Umgang mit dem Personal, wenn diese Unterstützung benötigen.

Die Klinikclowns sind hier relativ fest im Alltag der Kinderstationen integriert. Sie kommen morgens auf die Station und fragen bei der Pflege und den Ärzten nach, zu welchem Kind sie gehen sollten. Dann wird geschminkt und ab zu den Kindern. Manchmal werden  kleine Feste organisiert. Viele finnische Schauspieler beteiligen sich wohl auch und kommen ab und zu als Klinikclown mit auf die Stationen.

Klinikclowns aber auch Humor generell sind hier auf jeden Fall fester Bestandteil der Kinderstationen. Mit einer großen Selbstverständlichkeit erklärte mir eine Assistenzärztin, dass man die positiven Auswirkungen von Klinikclowns auf Kinder nachgewiesen hätte. Warum sollte es Sie also nicht geben? Das klang für mich sehr logisch und ich persönlich finde es sehr lobenswert, dass es so selbstverständlich ist Humor mit in das Krankenhaus zu integrieren.

Kinder dürfen hier ihr Kuscheltier mit in den OP bringen. Das wird genau so gut verpflegt und bekommt gegebenenfalls auch von der AnästhesistIn einen Zugang gelegt. Musik ist auch meistens an um die Atmosphäre gerade im OP-Bereich aufzulockern. So versucht das Anästhesieteam spielerisch den Kindern die Angst vorm OP zu nehmen.

Generell ist der Umgang hier miteinander sehr offen und herzlich. Dies drückt sich für mich zum Beispiel dadurch aus, dass sich alle Angestellten im Krankenhaus Dutzen, Alle! Dies ist wohl sehr bewusst gewählt, damit Hierarchien überwunden werden und eine offene Atmosphäre unter allen Berufsgruppen herrscht.

20170425_124132.jpg
Auf dem Kühlschrank der OP-Küche

Zu dem Thema Humor im Krankenhaus war ich lustigerweise vor kurzem selber in einem Workshop undzwar bei unserem Gesundheitspolitischen Wochenende der bvmd in Berlin. Die Stiftung von Eckart von Hirschhausen „Humor hilft Heilen“ hat uns einen Workshop zu dem Thema gesponsert. Um den Blick vom großen Ganzen der Gesundheitspolitik zurück auf die PatientInnen und unsere Interaktion zu bringen, besuchten uns zwei Trainerinnen, die uns in einem total spannenden Workshop einige Grundlagen zur Empathie, dem bewussten Umgang mit Patienten, Achtsamkeit und Humor vermitteln konnten. Hier konnte ich selber reflektieren, was Humor und ein humorvoller Umgang für einen positiven Effekt auf mich hat und wie ich dies in Interaktionen nutzen kann. Es war für mich ein sehr bereichernswerter Impuls, den ich in Zukunft auf jeden Fall weitertragen möchte. Ob ich eine rote Nase immer in meiner Kitteltasche trage, weiß ich noch nicht, aber zumindest ein Lachen auf dem Gesicht 😉

DSC_0406+.jpg

Hospital Clowns in Finland – Webseite

Humor hilft heilen – Webseite