Nara Medical University Clinic

Heute möchte ich euch meine ersten Eindrücke des Tages im Krankenhaus schildern. Zum Überblick; ca. 600 Medizinstudenten sind an der Nara Medical University immatrikuliert und das dazugehörige Klinikum hat ca. 900 Betten.

Heute morgen hat mich mein Professor empfangen, welcher Leiter der onkologischen Ambulanz ist. In einem ersten Kennernlerngespräch, welches wir teilweise auf Deutsch und teilweise auf Englisch geführt haben und zischen durch sogar noch auf Japanisch, konnte ich ein bisschen über ihn erfahren.

Er interessiert sich sehr für Deutschland und war letztes Jahr an verschiedenen Unistandorten um dort die onkologischen Abteilungen kennen zu lernen. Seit 10 Monaten besucht er einen Deutschkurs und kann ziemlich gut Deutsch sprechen.

Unter anderem haben wir darüber geredet, wie die Situation mit den vielen Syrern gerade in Deutschland aussieht. Er war sehr daran interessiert, wie diese integriert werden und was sie den ganzen Tag tun. Wieder einmal habe ich festgestellt, dass wesentlich zu wenig passiert in diesem Bereich passiert oder ich es einfach nicht weiß. Wir haben viele ausgebildetet Menschen aus anderen Ländern in Deutschland sitzen, die aufgrund der Regularien leider fast nix machen können oder dürfen, obwohl sie eine Bereicherung für uns wären.

Aber das ist ein anderes großes Thema. Viel mehr erschrocken hat mich, dass er mir berichtet, dass er gerne in Deutschland für eine gewisse Zeit bleiben möchte um dort die Arbeit im Krankenhaus zu erleben. Jedoch hat er Angst, dass er als Ausländer von den Deutschen nicht gewollt oder nicht akzeptiert ist. Er habe den Medien entnommen, dass bei uns Ausländer willkommen waren und Deutsche gerne reisen, jedoch dass sich dies verändert hat.

Es hat mich so traurig gemacht, dass ich die Möglichkeit habe, nach Japan zu gehen und hier mit offenen Armen empfangen werde, Parties und alles für mich organisiert wird, und er hat Angst, dass Deutschland fremdenfeindlich ist. Natürlich weiß ich nicht was für Nachrichten die Japanische Presse übermittelt, aber das weltweit so ein Bild von Deutschland entsteht erschüttert mich. Es macht mich sehr traurig, dass es Menschen gibt, die andere Menschen anderes behandeln, nur weil sie wo anderes geboren sind. Ich möchte dass Deutschland seine Offenheit und Freiheit behält!

Nun gut, jetzt aber wieder zurück zur Klinik. Hier in Japan ist das Medizinische System ein bisschen anders. Es gibt kaum niedergelassene Fachärzte, sodass die Patienten in das Krankenhaus kommen müssen um behandelt zu werden. Desweiteren besteht in Nara wohl das Problem, dass die Patienten nicht zu den Hausärzten gehen wollen. Dementsprechend werden ca. 3000-4000 Patienten in diesem Krankenhaus pro Tag versorgt. Überall sind Wartehallen und es ist immer viel Trubel. Patienten können ihren Blutdruck an bestimmten Blutdruckmessstationen selber messen und laufen von Abteilung zu Abteilung. Die Patienten zahlen 30% ihrer Behandlung selber, der Rest wird von der Kasse übernommen.

Zu der Art und Weiße, wie hier gearbeitet wird kann ich noch wenig sagen. Was ich aber wahrnehme, ist, dass sehr viel Wert auf Kommunikation und Gruppendynamiken gelegt wird. Mein erstes To-Do ist den MBTI-Test( einen Persönlichkeitstest) auszufüllen. Hier ist es anerkennt, dass Kommunikations Fähigkeiten einen Entscheidenen Beitrag zur compliance der Patienten beitragen sowie einen entscheidenen Beitrag zu der Produktivität im Team leisten. Daher soll ich meine Persönlichkeit besser kennenlernen und in einem Gespräch mit ihm gehen wir darauf ein, wie ich meine Stärken nutzen bzw. wo ich noch dran arbeiten kann. Dann zeigte der Professor mir eine Wand, wo junge Ärzte und Studenten Auszeichnungen dafür erhalten haben, dass sie in diesem Gebiet neue Konzepte erstellt haben. Leider war alles auf Japanisch, sodass ich mir bei Gelegenheit alles übersetzten lasse, da dieses Thema mich brennend interessiert.

Heute haben wir nur relativ wenig über Onkologie gesprochen. Was er mir aber erzählte war, dass die Anzahl der Magentumoren zurück geht, dafür steige wohl die Kolontumorrate. Dies ist ein sehr interessanter Prozess der wohl laut ihm gut beobachtbar ist. Magentumore haben die Menschen bekommen, weil sie sehr salzigen Fisch und Saucen gegessen haben, sowie nur Reis. Heutzutage ernähren sich immer mehr Japaner von westlichen Essen, was oft Fleisch enthält, vorallem Rind, sodass es mehr Darmkrebs gibt.

Morgen lerne ich wohl das gesamte Krankenhaus kennen! Einen schönen Tag euch noch.

 

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